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Ein junger amerikanischer Pilot und ein bemerkenswertes Luftgefecht auf Guadalcanal im Jahr 1943.H

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James Swett und sein erster Luftkampf über Guadalcanal

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Der folgende Bericht wird aus historischen und pädagogischen Gründen dargestellt. Er erzählt eine wahre  Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg über Mut, fliegerisches Können und die harte Realität des Luftkampfes im Pazifik. Der Text soll keine Gewalt fördern und keinen Krieg verherrlichen. Ziel ist es, den Menschen hinter den Ereignissen und die Bedeutung dieser Zeit besser zu verstehen.

Geschichte

 

Am 7. April 1943 startete First Lieutenant James Elms Swett, ein junger Pilot des United States Marine Corps, von Henderson Field auf Guadalcanal zu seinem ersten echten Kampfeinsatz. Er war erst 22 Jahre alt. Er hatte noch keinen bestätigten Luftsieg, keine Kampferfahrung und noch nie an einer großen Luftschlacht teilgenommen.

An diesem Nachmittag meldeten Küstenbeobachter eine große japanische Formation, die sich dem Gebiet um Tulagi näherte. Der Angriff war Teil der Operation I-Go, einer Luftgegenoffensive unter der Leitung von Admiral Isoroku Yamamoto. Ziel war es, alliierte Schiffe und Stellungen auf den Salomonen anzugreifen.

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Die japanische Formation bestand aus zahlreichen Aichi D3A “Val”-Sturzkampfbombern, die von Mitsubishi Zero-Jägern eskortiert wurden. Für einen neuen Piloten wie Swett war dies eine Herausforderung, die weit über jede Übung hinausging. Vor dem Krieg hatte er viele zivile Flugstunden gesammelt und seine Marinefliegerausbildung mit guten Ergebnissen abgeschlossen, doch echter Kampfeinsatz war etwas völlig anderes.

Swett flog eine F4F-4 Wildcat, ein robustes Jagdflugzeug, das jedoch weniger wendig war als die Zero. Die Wildcat trug sechs Browning-Maschinengewehre im Kaliber .50, doch der Munitionsvorrat war begrenzt. Bei Dauerfeuer wären die Waffen sehr schnell leer gewesen. Im Luftkampf konnte jede Sekunde entscheidend sein.

Als die japanische Formation über Tulagi erschien, stiegen Swett und andere amerikanische Piloten zum Abfangen auf. Aus der Höhe sah er, wie die Sturzkampfbomber ihre Angriffe begannen. In den ersten Momenten des Gefechts näherte sich Swett einer Val, brachte sie ins Visier und feuerte. Das Flugzeug stürzte nahe dem Wasser ab. Es war sein erster Luftsieg.

Der Kampf ging weiter. In den folgenden Minuten verfolgte Swett mehrere Bomber, die versuchten, das Gebiet zu verlassen. Er feuerte kurze, kontrollierte Salven, sparte Munition und zielte sorgfältig. Die Fähigkeiten, die er beim Schießen auf bewegliche Ziele in der Ausbildung gelernt hatte, musste er nun unter realen Bedingungen anwenden. Mehrere Val-Bomber wurden aus der Formation herausgelöst, während der Himmel von Flugabwehrfeuer, alliierten Jägern und japanischen Flugzeugen erfüllt war.

Auch Swetts Wildcat wurde während des Gefechts beschädigt. Ein Treffer aus alliierter Flugabwehr traf seinen linken Flügel. Trotzdem lief der Motor weiter, die Steuerung blieb nutzbar, und Swett entschied sich, die abfliegenden Bomber weiter zu verfolgen.

Innerhalb sehr kurzer Zeit wurden ihm mehrere Abschüsse feindlicher Bomber zugeschrieben. Besonders bemerkenswert war, dass dies bei seinem ersten Kampfeinsatz geschah. Die Angaben wurden später durch Zeugenaussagen, Berichte alliierter Schiffe und japanische Verlustunterlagen überprüft.

Nach dem Luftkampf wurde Swetts Lage gefährlich. Sein Flugzeug war schwer beschädigt, die Frontscheibe zerbrochen, und der Motor begann zu überhitzen. Henderson Field war zu weit entfernt, um sicher zurückzukehren. Swett musste schnell entscheiden: versuchen, die Basis zu erreichen, oder nahe Tulagi wassern, wo die Chance auf Rettung größer war.

Er wählte Tulagi. Während die Wildcat immer mehr Leistung verlor, steuerte Swett sie in Richtung Hafen. Der Motor blieb schließlich stehen, als er sich noch über dem Wasser befand. Er hielt das Flugzeug so stabil wie möglich und setzte es im ruhigeren Wasser des Hafens auf. Der Aufprall war hart, und die Maschine begann zu sinken.

Für kurze Zeit war Swett unter Wasser im Cockpit eingeschlossen. Mit den Überlebenstechniken, die er in der Ausbildung gelernt hatte, löste er seinen Gurt, befreite sich von seiner Fallschirmausrüstung und entkam aus dem Cockpit. Er erreichte die Oberfläche und wurde von einem Patrouillenboot der Küstenwache gerettet. Anschließend wurde er in das Marinehospital auf Guadalcanal gebracht.

Während Swett sich erholte, überprüften Nachrichtendienstoffiziere seine Abschussmeldungen. Zunächst waren einige vorsichtig. Die Vorstellung, dass ein Pilot bei seinem ersten Einsatz ein solches Ergebnis erzielen konnte, erschien schwer zu glauben. Doch Seeleute, Flugabwehrmannschaften und andere Zeugen in Tulagi bestätigten, dass Swett mehrere Angriffe geflogen hatte und mehrere japanische Flugzeuge nach seinen Angriffen abgestürzt waren.

Die Untersuchung bestätigte, dass James Swett am 7. April 1943 sieben Val-Sturzkampfbomber abgeschossen hatte. Für diese Leistung wurde er für die Medal of Honor vorgeschlagen, die höchste militärische Auszeichnung der Vereinigten Staaten. Am 10. Oktober 1943 erhielt er die Auszeichnung auf Espiritu Santo.

Nach seinem ersten Kampferfolg verließ Swett den Krieg nicht. Er diente weiter im Pazifik und wechselte auf die F4U Corsair, ein stärkeres, aber deutlich schwieriger zu fliegendes Flugzeug als die Wildcat. Die Corsair war schnell, stark bewaffnet und im Kampf sehr wirksam, galt jedoch besonders bei Start und Landung als anspruchsvoll.

Swett musste dieses neue Flugzeug unter Kriegsbedingungen beherrschen lernen. Die ersten Starts und Landungen waren schwierig, doch er passte sich rasch an. Bei späteren Einsätzen auf den Salomonen fing er weiterhin japanische Flugzeuge ab und schützte alliierte Kräfte bei Landungsoperationen.

Am 30. Juni 1943 flog Swett während der Operationen bei Rendova einen weiteren Kampfeinsatz mit der Corsair. Er half dabei, eine Formation von Mitsubishi G4M “Betty”-Bombern und deren Begleitjägern abzufangen. Dank der Geschwindigkeit und Feuerkraft der Corsair konnte Swett weitere Luftsiege erzielen. In den folgenden Monaten nahm er an weiteren Kämpfen bei New Georgia, Bougainville und benachbarten Inseln teil.

Nicht jeder Einsatz endete sicher. Bei einem Gefecht wurde seine Corsair schwer beschädigt, und der Motor fiel über dem Meer aus. Swett musste erneut eine Notwasserung durchführen. Diesmal war er weiter vom Land entfernt, und kein Rettungsboot war in der Nähe. Nach mehreren Stunden auf dem Wasser wurde er von Bewohnern der Salomonen gefunden und zu einer alliierten Küstenbeobachterstation gebracht. Von dort kehrte er zu seiner Einheit zurück.

Dieser Teil der  Geschichte zeigt die wichtige Rolle der einheimischen Bevölkerung und der Küstenbeobachter im Pazifikkrieg. Sie meldeten feindliche Bewegungen, unterstützten alliierte Kräfte und retteten mehrfach abgestürzte Flieger. Ihre stillen Beiträge sind ein unverzichtbarer Teil der Geschichte des Salomonenfeldzuges.

Geschichte

 

Bis Ende 1943 hatte Swett viele Kampfeinsätze geflogen, mehrere Luftsiege erzielt und zwei Abschüsse seines eigenen Flugzeugs überlebt. Er wurde in die Vereinigten Staaten zurückgeschickt, um sich zu erholen, Piloten auszubilden und öffentliche Auftritte wahrzunehmen. Für Swett war es jedoch schwer, seine Kameraden zurückzulassen, die weiter an der Front kämpften.

Später bildete er neue Piloten auf der Marine Corps Air Station Santa Barbara aus. Die meisten dieser jungen Männer hatten keine Kampferfahrung. Swett kannte den Unterschied zwischen Ausbildung und Gefecht genau, denn er selbst war einst als Anfänger in den Kampf gegangen. Er trainierte sie ernsthaft in Formationsflug, Schießübungen, Navigation über Wasser, simulierten Trägeranflügen, Notverfahren und den grundlegenden Überlebensregeln des Luftkampfes: Geschwindigkeit halten, Höhe halten, den rückwärtigen Raum beobachten und möglichst nie allein kämpfen.

Im Jahr 1945 operierten Swett und VMF-221 von der USS Bunker Hill aus, einem Flugzeugträger der Essex-Klasse, der an großen Pazifikoperationen beteiligt war. Seine Einheit flog Einsätze nahe Japan, Iwo Jima und Okinawa.

Während der Okinawa-Kampagne sah sich die US-Marine intensiven japanischen Luftangriffen gegenüber, darunter auch Selbstopferangriffe. Es war eine der schwierigsten Phasen für die alliierte Flotte im Pazifik. Die Piloten der Luftpatrouillen mussten herannahende Flugzeuge früh erkennen und stoppen, bevor sie die Schiffe erreichen konnten.

Am 11. Mai 1945 schoss Swett ein japanisches Flugzeug ab, das auf die Flotte zuflog. Es wurde sein letzter bestätigter Luftsieg des Krieges. Doch am selben Tag wurde die USS Bunker Hill von zwei angreifenden Flugzeugen getroffen und schwer beschädigt. Viele Seeleute wurden getötet oder verwundet, und Piloten, die sich bereits in der Luft befanden, mussten auf anderen Trägern notlanden.

Swett landete in einer Notsituation auf der USS Enterprise. Seine Corsair wurde anschließend über Bord geschoben, um Platz für weitere Flugzeuge zu schaffen, die noch landen mussten. Wieder einmal zeigte ihm der Krieg, dass Gefahr nicht mit dem Ende eines Luftkampfes verschwand.

Als der Krieg im August 1945 endete, war James Swett erst 25 Jahre alt. Seine Kampfbilanz umfasste mehr als 100 Einsätze, 15,5 bestätigte Luftsiege, mehrere Auszeichnungen, zwei verlorene Flugzeuge, zwei Wasserlandungen und die Medal of Honor für seinen ersten Kampf über Guadalcanal.

Nach dem Krieg diente Swett weiter in der Reserve des Marine Corps und kehrte später ins zivile Leben zurück. Er arbeitete im Familienunternehmen in San Francisco, heiratete, gründete eine Familie und führte ein ruhigeres Leben. 1970 trat er im Rang eines Colonels aus der Reserve in den Ruhestand.

Über Jahrzehnte sprach Swett an Schulen, in Luftfahrtmuseen und bei Veteranenveranstaltungen. Er erzählte seine Geschichte nicht, um den Krieg zu verherrlichen, sondern um die Erinnerung an diejenigen zu bewahren, die nicht zurückkehrten. Für ihn zählten nicht nur die Zahlen in den offiziellen Akten, sondern auch die Erinnerung an seine Kameraden, die Angst, die Verantwortung und der menschliche Preis des Krieges.

James Elms Swett starb am 18. Januar 2009 in Redding, Kalifornien, im Alter von 88 Jahren. Er wurde mit militärischen Ehren auf dem Northern California Veterans Cemetery in Igo beigesetzt. Jahre später wurde die F4F Wildcat, die er 1943 im Hafen von Tulagi gewassert hatte, auf dem Meeresgrund gefunden – ein stiller Zeuge jenes Tages, an dem er zum ersten Mal in den Krieg zog.

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Die Geschichte von James Swett ist ein bemerkenswertes Kapitel der Luftkriegsgeschichte im Pazifik. Sie handelt nicht nur von einem jungen Piloten, der bei seinem ersten Einsatz eine seltene Leistung vollbrachte. Sie handelt auch von Vorbereitung, Können, Urteilsvermögen, Mut und zerbrechlichem Glück im Krieg. Vor allem erinnert sie daran, dass hinter jeder Zahl der Geschichte echte Menschen standen, Entscheidungen in Sekundenbruchteilen getroffen wurden und Erinnerungen blieben, lange nachdem das letzte Motorengeräusch verstummt war.

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