Der gnadenlose Boykott: Wie politische Belehrungen Roland Kaiser, Helene Fischer und Co. in den ultimativen Abwärtsstrudel reißen. hyn
Es brodelt gewaltig in der deutschen Unterhaltungsindustrie, und die Kulissen, die über Jahrzehnte hinweg eine heile, unantastbare Welt suggerierten, beginnen mit einem ohrenbetäubenden Krachen einzustürzen. Ein Phänomen, das noch vor wenigen Jahren in dieser Dimension als absolut undenkbar galt, greift derzeit wie ein unaufhaltsames Lauffeuer um sich: Der massive, vom Publikum getragene Boykott gegen einige der größten und etabliertesten Stars der Republik. Die goldene Regel des Showgeschäfts, die besagt, dass Künstler ihr Publikum unterhalten und nicht politisch belehren sollen, wurde in der jüngeren Vergangenheit von vielen Prominenten mit einer beispiellosen Arroganz über Bord geworfen. Nun, da die Künstler sich massenhaft und lautstark gegen weite Teile ihrer eigenen Fanbasis gewandt haben, folgt die unausweichliche Quittung. Die Zuschauer bleiben zu Hause, die Konzertkassen klingeln nicht mehr, und Alben stürzen sang- und klanglos aus den Charts. Was wir hier beobachten, ist nicht weniger als eine historische Zäsur in der Beziehung zwischen dem deutschen Publikum und seinen einstigen Idolen.
Beginnen wir mit einem der bisher unangefochtenen Giganten des deutschen Schlagers: Roland Kaiser. Ein Mann, der Hallen füllte, bevor der Vorverkauf überhaupt richtig begonnen hatte. Doch die Zeiten der blind loyalen Massen sind offensichtlich vorbei. Die jüngsten Ereignisse rund um sein Konzert in Kassel sprechen eine Sprache, die an Deutlichkeit kaum zu überbieten ist. Die Maschinerie der PR-Agenturen lief auf absoluten Hochtouren. Mit allen erdenklichen Mitteln und einer beispiellosen medialen Dauerbeschallung wurde versucht, das Konzert in der nordhessischen Großstadt als das Mega-Event des Jahres zu verkaufen. Ein besonderer PR-Coup sollte der feierliche Eintrag Roland Kaisers in das Goldene Buch der Stadt Kassel sein, medienwirksam inszeniert unter der Schirmherrschaft eines Oberbürgermeisters der Grünen. Diese politische Nähe kommt nicht von ungefähr, denn Kaiser hat in den letzten Monaten keinen Hehl aus seiner politischen Ausrichtung gemacht. Er teilte massiv und ohne jegliche Gnade gegen die AfD aus, positionierte sich lautstark für das Gendern und pries das Mantra der sogenannten “Vielfalt”.

Die Rechnung wurde jedoch ohne den Wirt – in diesem Fall das zahlende Publikum – gemacht. Anstatt der erwarteten und kalkulierten 25.000 begeisterten Fans, die man in einem solch riesigen Einzugsgebiet hätte mobilisieren müssen, fanden sich letztendlich nur rund 14.000 Besucher ein. Selbst verzweifelte Last-Minute-Aufrufe in sämtlichen Medien und der Hinweis auf massenhaft verfügbare Tickets an der Abendkasse konnten das Ruder nicht mehr herumreißen. Aus der nüchternen Perspektive eines Veranstalters war dieses groß angekündigte Event ein schmerzhafter, unübersehbarer Flop. Und Kassel war kein Einzelfall. Bereits in Oberschleißheim zeichnete sich ein ähnliches, hochgradig irritierendes Bild ab. Zunächst wurde das Konzert vollmundig als “ausverkauft” deklariert, man sprach von maximal 30 bis 40 Restkarten. Doch am Abend der Veranstaltung lagen plötzlich noch rund 1.500 Tickets wie Blei an der Abendkasse. Ein Dominostein nach dem anderen fällt, und der Mythos der Unantastbarkeit bröckelt rasant. Das Publikum verzeiht es nicht, wenn ein Sänger, der für romantische Fluchten aus dem Alltag bezahlt wird, sich plötzlich als moralisierender Oberlehrer auf der Bühne aufspielt und Menschen, die biologische und gesellschaftliche Realitäten vertreten, von oben herab abkanzelt.
Doch der Abwärtsstrudel zieht nicht nur den Kaiser der Schlagerwelt in die Tiefe. Inka Bause, die vielen als das ewige, strahlende Lächeln des deutschen Fernsehens bekannt ist, musste eine noch viel härtere und direktere Lektion des Marktes erfahren. Die Konsequenzen ihrer öffentlichen politischen Einlassungen waren verheerend: Ihre gesamte geplante Tournee musste rigoros und komplett abgesagt werden. Der offizielle und inoffizielle Grund? Ein geradezu katastrophaler Mangel an verkauften Tickets. Für die Konzertveranstalter wurde das finanzielle Risiko schlichtweg zu einem unkalkulierbaren Albtraum. Es macht wirtschaftlich und atmosphärisch absolut keinen Sinn, in riesigen Hallen vor einer Handvoll verstreuter Zuschauer zu spielen. Bause hatte sich zuvor massiv gegen die politische Opposition – von vielen als die Partei der Vernunft wahrgenommen – gestellt. Zwar artikulierte sie im Nachhinein, dass sie diesen Schritt nicht bereue und sich jederzeit wieder so positionieren würde, doch die Quittung an der Kinokasse ist unbestechlich. Man kann sich schlichtweg nicht gegen ein Drittel bis die Hälfte der eigenen potenziellen Zuhörerschaft stellen, diese Menschen politisch diffamieren und gleichzeitig die naive Erwartung hegen, dass eben diese diffamierten Bürger hart erarbeitetes Geld für ein Konzertticket ausgeben. Die Arroganz, mit der hier das Publikum verprellt wird, ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht geradezu selbstmörderisch.
Dieses beispiellose Beben macht auch vor der absoluten Königin der deutschen Unterhaltung keinen Halt. Helene Fischer, die über Jahre hinweg als die absolute, fehlerfreie Perfektion der Branche galt, spürt den eiskalten Wind der Veränderung ebenfalls in voller Härte. Auch sie fühlte sich bemüßigt, sich öffentlich und massiv gegen die AfD auszusprechen und sich in die Riege der politischen belehrenden Künstler einzureihen. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten und gleicht einem beispiellosen Debakel. Eines ihrer absoluten Herzensprojekte, ein neues Album, stürzte nach kurzer Zeit sang- und klanglos aus den Top 100 der deutschen Albumcharts. Es verschwand einfach in der Bedeutungslosigkeit – ein Vorgang, der für eine Künstlerin dieses Kalibers vor wenigen Jahren noch völlig illusorisch gewesen wäre. Die Fans scheinen zunehmend nicht nur von der politischen Einmischung genervt zu sein, sondern hinterfragen auch zunehmend das gesamte künstliche Produkt. Die gigantischen Zirkusveranstaltungen, die extremen artistischen Einlagen und das ständige Glitzer-Gewitter auf der Bühne lenken immer weniger davon ab, dass die emotionale Verbindung zum Publikum massiv gestört ist. Echte, wahrhaftige Künstler setzen sich mit einer Gitarre auf einen Stuhl und ziehen die Menschen allein durch die Kraft ihrer Musik und ihrer Authentizität in den Bann. Wenn jedoch die Authentizität durch politische Phrasendrescherei zerstört wird, hilft auch der spektakulärste dreifache Flickflack unter der Hallendecke nicht mehr, um die sinkenden Verkaufszahlen zu kaschieren.
Die zunehmende Panik innerhalb der Branche führt mittlerweile zu hochgradig absurden und entlarvenden Reaktionen. Ein geradezu tragikomisches Beispiel liefert Sebastian Krumbiegel, der Frontmann der Pop-Gruppe “Die Prinzen”. Offensichtlich hat auch er die panikartigen Einschläge in seinem unmittelbaren Umfeld registriert und erkannt, dass der pauschale Kampf gegen einen gigantischen Teil der Bevölkerung den eigenen Kontostand massiv gefährdet. In einer fast schon verzweifelten, rudernden Bewegung der Schadensbegrenzung erklärte er kürzlich, dass es ihm mittlerweile alles ein wenig zu heikel sei und er ein geradezu gönnerhaftes Entgegenkommen zeigen wolle: Er sei nun durchaus bereit, auch vor Anhängern der AfD zu spielen, lediglich für die Funktionäre der Partei würde er nicht auftreten. Dieser hilflose Versuch, sich aus der selbst gestellten politischen Falle zu befreien und die verprellten Kunden wieder an die Abendkasse zu betteln, zeugt von der tiefen Verunsicherung einer Branche, die den Kontakt zur Basis verloren hat. Doch die Wähler und Sympathisanten der konservativen Opposition durchschauen dieses durchsichtige Manöver mühelos. Die Botschaft des Publikums ist eindeutig: Wir lassen uns nicht spalten, wir gehören zusammen, und wir verweigern Künstlern, die uns erst beschimpfen und dann unser Geld wollen, schlichtweg die Gefolgschaft.

Die Liste der Fallbeispiele ließe sich endlos fortsetzen und gipfelt in der Personalie Herbert Grönemeyer. Er hat es über Jahre hinweg regelrecht zu seiner persönlichen Passion gemacht, seine Konzerte als Plattform für scharfe, politische Agitation zu missbrauchen. Bei nahezu jeder Veranstaltung gab es aggressive Ausfälle in eine bestimmte politische Richtung. Doch auch sein Zenit ist längst überschritten, und der Widerstand wächst. In Wien bekam er für seine Ausfälle kürzlich massiven Gegenwind, nicht nur aus den Reihen des Publikums, sondern auch von offizieller Seite und den dortigen Medien. Man riet ihm unmissverständlich, sich endlich zu bremsen und sich auf das zu konzentrieren, wofür die Leute eigentlich bezahlt haben: die Musik. Dass die Leute seine belehrende Art nicht mehr ertragen, zeigt sich auch auf dem Fernsehbildschirm. Eine groß angelegte, von der ARD produzierte Dokumentation über ihn floppte auf ganzer Linie. Mit einer desaströsen Einschaltquote von nur 12,1 Prozent markierte diese Sendung den absoluten Tiefpunkt für ein derartiges Format.
Was wir derzeit erleben, ist kein kurzfristiges Phänomen und keine vorübergehende Laune des Marktes. Es ist die unaufhaltsame Manifestation einer stillen, aber ökonomisch extrem mächtigen Mehrheit, die nicht länger bereit ist, die politische Instrumentalisierung der Kultur hinzunehmen. Die “blaue Welle”, die gesellschaftliche Rückbesinnung auf Vernunft und Respekt vor dem Souverän, hat die Konzertarenen, die Ticketportale und die Chartlisten erreicht. Das Publikum fordert eine klare Trennung von Unterhaltung und politischer Indoktrination. Wer als Künstler glaubt, seinen Status missbrauchen zu können, um mündige Bürger zu erziehen, wird weiterhin in leere Gesichter und vor allem auf leere Ränge blicken. Die Schlagerstars und Pop-Ikonen stehen an einem existenziellen Scheideweg: Entweder sie finden den Weg zurück zur Musik und zum demütigen Dienst am Publikum, oder sie werden im Abwärtsstrudel der eigenen Arroganz vollends in der historischen Bedeutungslosigkeit versinken. Der Boykott hat gerade erst begonnen, und seine Wirkung wird von Tag zu Tag heftiger.




